Interkulturelles Training am Beispiel Türkei

 

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Anhand des konkreten Beispiellandes Türkei beschäftigen wir uns mit der Zielsetzung

  • Landeskunde und Geschichte der Türkei (Schulwissen, das es nie gab)
  • den historischer Verlauf der türkischen Migration in Deutschland und Europa zu kennen
  • die Folgen von fehlender Integration verstehen
  • eine andere Kultur realistisch erkennen, sehen und erfassen
  • Wissenslücken erkennen
  • Sehen und Wahrnehmen lernen, ohne zu werten
  • offen zu sein, aber bei sich zu bleiben
  • die eigene kulturelle Sozialisation erkennen und reflektieren
  • kultureller Vielfalt offen begegnen und nicht überhöhen
  • Unterschiede als Bereicherung erfahren
  • eigene Wertestandpunkte und Vorurteile überprüfen
  • negative Auswirkungen von Vorurteilen und Diskriminierung erkennen
  • Empathie und Einfühlungsvermögen entwickeln
  • Kulturalismus als Problem 
  • Vorurteile, Diskriminierung aus der Perspektive der Minderheit wahrzunehmen
  • Verhaltensweisen entwickeln, um gegen Diskriminierung und Rassismus einzuschreiten
  • qualifiziert analysefähig in sozialen Fragen werden trotz kultureller Unterschiede

 

Als Teilziele des interkulturellen Lernen bzw. Komponenten der interkulturellen Kompetenz gelten:

  • bewusster und kritischer Umgang mit Stereotypen
  • Aufbau von Akzeptanz für andere Kulturen
  • Überwindung von Ethnozentrismus
  • Verständnis der eigenen Kulturverhaftung und Enkulturation
  • Fremdverstehen
  • Erkennen sozialer Probleme mit anderem Hintergrund 

Wir haben ein eigenes Konzept, orientieren uns aber am Bedarf. Das Angebot kann auch als Supervision verstanden werden, kompentent über vorhandene Probleme zu reden und Lösungen zu suchen.

In unseren Türkisch-Kursen mit Kultur- und Landeskunde für LehrerInnen, PädagogInnen und ErzieherInnen kommen wir an den Punkt über die Jahre, dass wir merken, dass der Bedarf an interkultureller Information und Auseinandersetzung größer wird.  

So beinhaltet zum Beispiel der pädagogische Auftrag von Lehrkräften immer noch nicht selbstverständlich umfassende interkulturelle Kompetenz. Wir empfinden, dass Lehrpersonal, das guten Willens zu uns kommt, durch die Ausbildung oft sehr monokulturell ausgerichtet wird. Eben solches wird auch von diesen kritisiert.

Deshalb bieten wir mittlerweile mehr Raum für ein interkulturelles Training, das auch

  • Cultural Awareness
  • Debatten zu Rassismus
  • Interkulturelles allgemein und Türkei speziell

in der Schule und allen Institutionen anspricht.

In den Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und soziale Einrichtungen Europas ist guter, interkultureller Umgang mehr denn je gefragt. Mit mehr Wissen über internationale Hintergründe, einer reflektierten Haltung und interkultureller Empathie sind im Vorfeld viele Probleme vermeidbar. Komplexe Konfrontationen werden von vorn herein durch mehr Informationen gar nicht hervorgerufen. 

Eigentlich könnten interkulturelle Trainings schon zum Standard von allen Grundausbildungen gehören.

Viele in sozialen Berufen bringen bereits die Bereitschaft mit, sich selbst mit neuen Fragen zu beschäftigen und die eigene Kultur intensiver zu reflektieren.

Gerade in der Schule ist die Haltung der Lehrkraft für Kinder und Jugendliche wegweisend für ihr Lernverhalten.

Oft wird gar nicht wahrgenommen, mit welchen Kompetenzen mehrsprachige SchülerInnen schon gewappnet sind.

Resourcen werden verschenkt, dies nicht in den Unterricht einzubeziehen oder gar den Unterricht danach gewinnbringend umzugestalten. Monokulturelle Lehrkräfte sehen bei fehlenden Deutschkenntnissen die Belehrten als DefizitschülerInnen und behandeln und bewerten sie danach. Dies kann Auswirkung auf die Lernbiographie der Betroffenen für ihr ganzes Leben haben. Monokulturelle SchülerInnen übernehmen oft den Blick der Lehrkraft. Ihnen wird die Gelegenheit zur gleichberechtigten Kommunikation vorenthalten. Im Endeffekt ist das institutioneller Rassismus, der, noch von weiteren staatlichen Institutionen ausgeübt, zur Ghettobildung, Ausgrenzung, Stigmatisierung und Wertesuche in der Herkunftsgesellschaft führt, also die Mehrkulturellen mit ihren Fähigkeiten zurückwirft. Eine gefährliche Entwicklung...Da aber die Länder global immer mehr miteinander verwoben sind, ändern sich auch die Themen, Informationen und Umgangsformen international. Dies geht an der Schule nicht vorbei. Dies ist übrigens nicht ein europäisches Problem, wenn wir uns die Lehrpläne türkischer Schulen anschauen.

Auch kommen die Menschen mit verschiedenem kulturellem Hintergrund nicht immer aus einem Rosengarten, sondern mit sehr großen sozialen Problemen.

Diese Probleme zu erkennen, nicht die Augen zu verschließen und dementsprechend an das Hilfe-Netzwerk weiterzuvermitteln, ist eine weitere wichtige Aufgabe fähiger Sozialberufe.

Methodik: Wir geben mit Vorträgen Wissensinput, diskutieren die gemachten Erfahrungen und üben in Rollenspielen.

 

Tahsin Genç B.A., hat Wirtschaft und türkische Literatur studiert, 12 Jahre Erfahrung in verschiedenen Branchen türkischer Berufe, 10 Jahre Erfahrung mit Auslandsdeutschen und 7 Jahre Lehrkraft für Türkisch als Fremdsprache, Besuche in Deutschland als Tourist 

Irene Kober, Politologin M.A., 13 Jahre Asylbetreuung in Gemeinschaftsunterkünften der Stadt München, bürgerrechtliche Projekt- und Zeitungsarbeit in der Frauen-/ Lesben- und Friedensbewegung international, Referentin für DaF und DaZ, 15 Jahre Lehrkraft für Türkisch mit Landes- und Kulturkunde Türkei, 15 Jahre Leben in der Türkei...

   
© 2016 Irene Kober